Kreativitätsmanagement

 

Wenn Sie diese Zeilen lesen, waren Sie bereits kreativ, ohne es zu merken. Denn jeder Mensch ist kreativ. Dennoch fällt es manchen Menschen offenbar leichter, ihre Kreativität besser zu nutzen und diese gezielt einzusetzen.

Kreativität – die Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts

In allen Bereichen, sei es in der Wirschaft, den Medien oder im gemeinnützigen Sektor, gibt es rasche Veränderungen und einen stetigen Wandel. Um erfolgreich als Unternehmen oder gemeinwohlorientierte Organisation zu agieren, sind neue Impulse und Denkrichtungen unverzichtbar. Aufgrund meiner über 10-jährigen Erfahrung in leitender Funktion im Fundraising/Marketing im Nonprofit-Bereich und als freischaffender Künstler weiß ich jedoch, wie herausfordernd es ist, auf den Punkt kreativ zu sein. Die Angst vor dem „weißen Blatt“ oder Denkblockaden, die sich nicht gleich lösen lassen, dürften für viele Fundraiser*innen oder Mitarbeiter*innen der Marketing oder Kommunikationsabteilungen unangenehme Realität sein. Aber es gibt Wege, die Kreativität in den Alltag zu holen und somit kreatives Potenzial zu entdecken und optimal auszuschöpfen.

Kreative Herausforderungen im Berufsalltag

Die kreativen Herausforderungen im beruflichen Alltag in einer Non-Governmental Organization (NGO) bzw. Civil Society Organization (CSO) sind vielfältig. Als Leiter Marketing & Kommunikation bei einer internationalen Menschenrechtsorganisation bin ich unter anderem für das Spenderbeziehungsmanagement (sprich Fundraising) sowie die Kommunikation zu weiteren Stakeholdern verantwortlich. Hierbei wird erwartet, dass ich kreative Lösungen präsentiere – von meiner Arbeit als Künstler ganz zu schweigen. Wie schafft man es also, diesen Anforderungen gerecht zu werden?

Wahrnehmen zulassen und Raum geben

Entscheidende Faktoren im Zusammenhang mit Kreativität sind meiner Erfahrung nach das Zulassen der Wahrnehmung und das Geben von Raum. Diesen Zugang hierzu habe ich insbesondere während meiner Zeit als Uchi-Deshi (Meisterschüler) am Institut für Aikido-Zen von Gerhard Walter gewonnen. Das Wahrnehmen und Raum geben sind quasi die Basis des eigenen Kreativitätspotenzials sowie der Mitarbeiter. Ein wichtiger Bestandteil dessen ist Stille. Wahrnehmung und Raum geben sind darüber hinaus entscheidend für die Früherkennung und Identifikation von Herausforderungen und Bedürfnissen nach neuen Lösungen.

Kreativitätsmanagement in der Praxis

Neben der beschriebenen Bedeutung von Wahrnehmung und Raum geben hinsichtlich des kreativen Potenzials und der Früherkennung von Herausforderungen und Bedürfnissen, habe ich im Laufe der Zeit drei Bereiche des Kreativitätsmanagements in meiner Fundraising- und Kommunikationsarbeit identifiziert.  Diese lauten:

  • Kreative Ideenfindung
  • Kreative Adaption
  • Kreative Transformation

In den einzelnen Bereichen arbeite ich häufig mit Hilfe von Techniken und Methoden, um diese erfolgreich in meiner beruflichen Praxis im Fundraising und in der Kommunikation einzusetzen.

Kreative Ideenfindung

Man steht vor einem Problem oder ein neuer Bedarf hat sich ergeben. Nun sind kreative Ideen gefragt. Im Bereich der kreativen Ideenfindung ist Offenheit daher sehr wichtig. Es geht darum, möglichst viele kreative Ideen und Ansätze zu generieren, um danach die erfolgversprechende Idee bzw. die erfolgversprechensten Idee auszuwählen und weiterzuentwicklen. Manchmal kann es trotz der gewünschten Offenheit sinnvoll sein, einen gewissen Rahmen vorzugeben; sei es allein ein Zeitrahmen. Für die Ideenfindung stehen zahlreichen sogenannte Kreativitätstechniken und Methoden zur Verfügung. Beliebte Techniken sind hierbei beispielsweise das Brainstorming/-writing, die 6-Denkhüte nach de Bono oder das Mind Mapping. Wertvolle Impulse können in dieser Phase bereits Best-Practice-Beispiele sein, denn wie man weiß, muss das Rad muss nicht immer ganz neu erfunden werden.

Kreative Adaption

Hat man die erfolgversprechende/-n Ideen identifiziert, geht es darum, diese Weiterzuentwickeln und anzupassen. Im Rahmen des Design Thinking kommt hierbei dem Prototyping, dem Erstellen von Prototypen, eine bedeutende Rolle zu. Selbst wenn einem diese Methode eher mit einer Produktentwicklung im klassischen Konsumgüterbereich geläufig scheint, ist der Mehrwert für das Fundraising und die Kommunikation meiner Erfahrung nach ebenfalls gegeben. Und auch im Rahmen meines künstlerischen Arbeitens ist die Erstellung von Studien und Entwürfen sehr wertvoll. Die Einbeziehung der Unterstützer*innen oder Spender*innen sowie weiterer Stakeholder ist besonders in dieser Phase absolut wünschenswert, selbst dann, wenn man sie durch Zeit oder sonstigen Ressourcenmangel nur indirekt herleiten können sollte. Entscheidend im Bereich der kreativen Adaption ist zudem die fortlaufende Möglichkeit eines Feedbacks und einer entsprechenden Anpassungsbereitschaft im gesamten Prozess.

Kreative Transformation

Ist die kreative Adaption abgeschlossen und der finale Ansatz gefunden, geht es an die Umwandlung von der Idee oder Prototypen in die konkrete Umsetzung. Spätestens jetzt werden Sie mit anderen Abteilungen oder Dienstleistern zusammenarbeiten und sich Gedanken über Budgets, finanzielle und humane Ressourcen und einen Zeitrahmen machen müssen. Kreative und überzeugende Ansätze helfen nicht nur, sich positiv abzuheben und Erfolge zu erzielen, sondern wirken sich ebenso auf die Motivation der Beteiligten aus. Dies hat ebenfalls einen gewinnbringenden Effekt für eine zielführende Umsetzung im Rahmen der kreativen Transformation, weil gegebenenfalls Veränderungen gewohnter Prozesse und Abläufe notwendig werden.

Kreativitätsmanagement sichert Innovationsfähigkeit

Es dürfte klar sein, dass die genannten einzelnen Bereiche miteinander verzahnt sind und sich immer wieder Überschneidungen ergeben. Es ist ebenso denkbar, Aspekte zu überspringen, was von der jeweiligen Situation und den Ressourcen abhängt. Im Kern steht jedoch immer die permanente Veränderung, auf die man möglichst kreativ reagieren und damit agieren kann. Eine der wichtigsten Aufgaben als Leiter Marketing & Kommunikation ist für mich die Sicherstellung der Innovationsfähigkeit. Das von mir geschilderte Kreativitätsmanagement leistet hierbei in meiner täglichen Praxis einen wertvollen Beitrag. Für mehr Erfolg im Fundraising und in der Kommunikation und somit für das gemeinsame Ziel, die Welt ein Stückchen besser zu machen.

 

© Markus Feiler | Home